MKL 108

Eckdaten / technische Daten:
PKP
Informationen zu diesem Fahrzeug:
Im Oktober 2018 haben wir auf einem Bauernhof in Modlimowo - zwischen Gryfice (Greifenberg) und Resko (Regenwalde) in Polen gelegen - den Wagenkasten eines vierachsigen geschlossenen Güterwagens gefunden und gekauft. Über ein noch vorhandenes Fabrikschild sind der Hersteller (Waggonfabrik L. Steinfurt in Königsberg) und das Baujahr 1908 eindeutig belegt. Im Gegensatz zu den meisten Güterwagen in Hinterpommern hat der Wagen seinen ursprünglichen Wagenkasten behalten und ist nicht im Wagenwerk Resko der PKP rekonstruiert worden. Leider ist bei der Aufstellung als Lagerraum die ursprünglich vorhandene Bremserbühne abgetrennt worden.
Die Herkunft des Wagens gab uns ursprünglich Rätsel auf - konnte aber mit Hilfe von Recherchen der IG Wagen und Untersuchungen am Wagenkasten selber geklärt werden:
Lieferungen 1908 von L. Steinfurt an die meterspurigen Bahnen in Hinterpommern sind nicht bekannt. In der Umzeichnungsliste der Pommerschen Landesbahnen von 1940 findet sich auch bei den vierachsigen G-Wagen mit unbekanntem Hersteller kein Wagen mit einem passenden Drehzapfenabstand. Eine abgetrennte Scharfenbergkupplung am Rahmen brachte uns auf die richtige Spur: Die von Karl Scharfenberg am 5. April 1906 per Reichspatent 188845 patentierte und bei L. Steinfurt entwickelte Kupplung wurde erstmalig 1908 an die Memeler Kleinbahn AG als Pilotbetrieb geliefert. Erst nach diesem erfolgreichen Piloteinsatz folgten andere Bahnen. Auch ist belegt, dass L. Steinfurt 1908 sechs vierachsige geschlossene Güterwagen nach Memel lieferte. Damit bleibt nur die Memeler Kleinbahn als Ursprungsbahn übrig.
Die Memeler Kleinbahn betrieb sowohl die innerstädtische elektrische Straßenbahn in Memel (heute Klaipeda), als auch ab 23.10.1906 drei dampfbetriebene Strecken in das Umland mit den Endpunkten in Pöszeiten, Plicken und Laugallen. Das Memelland kam am 10.6.1923 unter litauische Verwaltung, was später auch völkerrechtlich manifestiert wurde. Ab 22.3.1939 kam es wieder unter deutsche Verwaltung. Ab Februar 1907 war übrigens die Ostdeutsche Eisenbahn AG (OEG) Betriebsführerin der Memeler Kleinbahn.
Nach den amtlichen Bahnstatistiken sind bis 1940 keine Güterwagen von der Memeler Kleinbahn abgegeben worden. Im Spätsommer 1944 wurde das Memelgebietes evakuiert und die Kleinbahn damit faktisch stillgelegt. Am 10.09.1944 sichtete ein Eisenbahnfreund im normalspurigen Bahnhof Frauenburg der Haffuferbahn (sie gehörte wie die Memeler Kleinbahn zur Ostdeutschen Eisenbahn Gesellschaft) die beiden Güterwagen 101 und 108 der Memeler Kleinbahn. Auch 9 weitere meterspurige Güterwagen anderer OEG-Bahnen standen dort. 1945 fiel Frauenburg an Polen. Die PKP fand den Güterwagen - wahrscheinlich in Frauenburg - auf und verbrachte ihn zum Meterspurnetz nach Hinterpommern. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit haben wir hiermit einen dieser beiden Wagen gefunden.
Als eines der Testfahrzeuge für die Scharfenbergkupplung besitzt der Wagen für die Kleinbahngeschichte eine besondere historische Bedeutung.
Lebenslauf:
- Lieferung 1908 an die Memeler Kleinbahn AG
- Bei der Evakuierung des Memelgebietes 1944 nach Frauenburg (Bahnhof der normalspurigen Haffuferbahn der OEG) verbracht; dort Sichtung am 10.09.1944.
- Nach 1945 von der PKP auf dem Meterspurnetz in Hinterpommern eingesetzt.
- 1966 von den Drehgestellen abgehoben und Wagenkasten im Bahnhof Gryfice von der Bahnmeisterei als Lagerraum genutzt.
- Um 1986 Wagenkasten verkauft an einen Bauer in Modlimowo.
- 2018 an Kleinbaan Service.

FKB 138

FKB 138 vor und nach Restaurierung

Eckdaten / technische Daten:
• Franzburger Kreisbahnen (FKB)
• Deutsche Reichsbahn (DR)
Informationen zu diesem Fahrzeug:
Der Wagen 138 entstand 1899 in Cöln am Rhein für die zu dieser Zeit meterspurige Cöln-Bonner Kleinbahn, auch Vorgebirgsbahn genannt. Als diese Eisenbahn in den Jahren 1929 bis 1934 auf Regelspur umgebaut und elektrifiziert wurde, konnten einige Wagen an die pommerschen Kleinbahnen verkauft werden. Sechs davon erhielt die Franzburger Kreisbahnen, die dort zumeist bis zur Stilllegung der Strecken 1969 im Einsatz blieben. Danach blieb Wagen FKB 138 als Stall auf einem Gehöft in Zansebuhr erhalten und wurde bis 2014 so genutzt. 2015 erfolgte der Verkauf an Kleinbaan Service BV. Die betriebsfähige Aufarbeitung in eigener Werkstätte konnte bis 2018 abgeschlossen werden.
Lebenslauf:
FKB 123

Eckdaten / technische Daten:
• Deutsche Reichsbahn (DR)
Informationen zu diesem Fahrzeug:
Der Wagen 123 gehört schon zu einer späteren Lieferserie für die Franzburger Kreisbahnen, gebaut von einem der Hauptlieferanten der Betreiberfirma Lenz & Co, der Waggonfabrik Beuchelt & Co. in Grünberg/Schlesien. Bei Übernahme der Franzburger Kreisbahn in die Pommerschen Landesbahnen 1940 wurde der Wagen zur Nummer PLB 671. Die Deutsche Reichsbahn führte ihn in der ersten Numerierung als DR 10.363p, später als DR 99-30-47. Nach Stillegung der Schmalspurbahn 1969 überlebte der Wagenkasten als Viehstall. 2015 erfolgte der Verkauf an Kleinbaan Service BV. Die betriebsfähige Aufarbeitung in eigener Werkstätte konnte bis Mai 2017 abgeschlossen werden.
Lebenslauf:
FKB 105 & FKB 106

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Eckdaten / technische Daten:
FKB 106
• Pommersche Landesbahnen (PLB)
• Deutsche Reichsbahn (DR)
Informationen zu diesem Fahrzeug:
Die beiden Wagen FKB 105 und 106 erwarb die Baufirma Lenz & Co. für die Erstausstattung der von ihr erbauten und betriebenen Franzburger Kreisbahnen im Jahr 1894 aus der schlesischen Waggonfabrik Beuchelt & Co. in Grünberg. Insgesamt bestand die Serie aus 15 gleichen gedeckten Güterwagen. Sieben der Wagen besaßen eine Handbremse (mit Bremserhäuschen), die restlichen, wozu auch die Nummern 105 und 106 gehörten, besaßen keine Bremse. Auch die zeitgleich gebaute Saatziger Kreisbahnen erhielten zwischen 1894 und 1896 16 gleiche Wagen, die aber von der Waggonfabrik Görlitz geliefert wurden. Nach Übernahme der in der sowjetischen Besatzungszone befindlichen Bahnen durch die DR im Jahr 1949 bekamen die Wagen die Nummern 10.345 und 10.346, später wurden sie zu 99-30-11 und 99-30-03. Bei FKB 105 wurden irgendwann die hölzernen Ständer an den Stirnwänden durch U-Profile aus Stahl ersetzt. Nach ihren Ausmusterungen am 23.12.1968 bzw. 16.1.1967 erfolgte der Verkauf der Wagenkästen an die KOG Vogelwiese in Altenpleen, wo sie fortan als Stall bzw. Schuppen dienten. FKB 105 (DR 99-30-11) stand am früheren Bahnhof Altenpleen, FKB 106 (DR 99-30-03) stand in Günz. So überlebten sie auch das Ende der DDR und 2010 konnte Kleinbaan Service beide Wagenkästen erwerben. Die Aufarbeitung in Werkstätten in Ilmenau und Coburg konnte 2016 erfolgreich abgeschlossen werden.

Lebenslauf:
GFM X1001

Eckdaten / technische Daten:
• Chemins de fer fribourgeois Gruyère–Fribourg–Morat (GFM)
• Transports publics fribourgeois SA (TPF)
Informationen zu diesem Fahrzeug:
Der Wagen X 1001 ist ein Bahndienstfahrzeug zur Fahrleitungsinstandhaltung. 1903 wurde er als Post- und Gepäckwagen an die Chemins de fer électriques de la Gruyère (CEG) für die Eröffnung der Stammstrecke Montbovon - Bulle - Châtel-Saint-Denis abgeliefert. Die CEG erhielt damals drei dieser Fahrzeuge und stellte sie mit den Nummern FZ 36 bis FZ 38 in Dienst; unser Wagen war die Nummer 38. Laut einer Beschreibung der Strecke von 1904 wurden diese Post-Gepäckwagen für Posteilzüge (durchgehende Verkehre) verwendet, da auch die Elektrotriebwagen jeweils Postabteile besaßen. Ein ursprünglich baugleiches Fahrzeug (CEG FZ 36) blieb in der Sammlung der Museumsbahn Blonay - Chamby (CH) im Ursprungszustand erhalten, das dritte Exemplar wurde 1971 ausgemustert. Am 1.1.1942 wurde durch Fusion mit zwei Regelspurbahnen die CEG zur GFM (Gruyère - Fribourg - Morat), und die drei Wagen dieser Serie erhielten die Nummern FZ 411 bis 413. Der Umbau des Wagens zum Arbeitswagen der Fahrleitungsmeisterei erfolgte 1949. Dabei wurde im Dach eine Kanzel zur Beobachtung des Fahrdrahtes während der Fahrt eingebaut. Etwa 2010 gelangte der Wagen zum Bahnmuseum Kerzers. 2019 erfolgte der Verkauf an Kleinbaan Service BV. Das Bahnmuseum Kerzers besteht seit April 2025 nicht mehr.
In diesem Film (Joachim Kaddatz) kann man ihn bei der GRM fahrend sehen.
Lebenslauf:
